
Sibirische Katze – Alles über Herkunft, Aussehen, Haltung & Eignung
Die Sibirische Katze ist eine kräftige, halblanghaarige Rassekatze, die seit 1987 gezielt gezüchtet wird und seither weltweit an Beliebtheit gewonnen hat. Ursprünglich stammt sie von natürlichen russischen Hauskatzen ab, die sich über Jahrhunderte ohne menschlichen Zuchteinfluss entwickelt haben. Deshalb zählt sie zu den sogenannten natürlichen Rassen, genauer gesagt zu den Waldkatzen.
Ihr typischer Erscheinung ist in weiten Teilen Russlands sowie in angrenzenden Regionen der ehemaligen Sowjetunion verbreitet. Gemeinsam mit der Norwegischen Waldkatze und der Maine Coon bildet die Sibirische Katze die Gruppe der Waldkatzen – robuste, ursprüngliche Rassen mit halblangem Fell und ausgeprägtem Charakter.
Aussehen & Größe
Die Sibirische Katze ist eine kräftig gebaute, halblanghaarige Katze mit muskulösem Körperbau. Auffällig ist das dichte, wasserabweisende Fell mit üppiger Unterwolle, das sie besonders gut gegen Kälte schützt.
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Rassestandard der Sibirischen Katze / Neva Masquarade (WCF) |
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Körperteil |
Beschreibung |
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Körper |
Die mittelgroße bis große Katze ist muskulös und schwer.Die Beine sind ebenfalls muskulös und mittellang. Die Pfoten sind groß, kompakt und rund mit Haarbüscheln zwischen den Zehen. Der Schwanz reicht bis zum Schulterblatt, läuft leicht spitz zu und ist buschig. Der Hals ist kurz und kräftig. |
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Kopf |
Der Kopf ist kurz und breit mit tief gesetzten breiten Wangenknochen, gerundeter Schnauze und leicht abgerundetem Kinn. Die Stirn ist leicht gewölbt.Die Nase ist gleich breit vom Ansatz bis zum Nasenspiegel. Die Konturen sind sanft gerundet, das Profil ist leicht geschwungen. |
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Ohren |
Die Ohren sind mittelgroß, breit am Ansatz mit leicht gerundeter Spitze. Sie sind weit gesetzt und leicht nach vorne geneigt. |
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Augen |
Die Augen sind groß, leicht oval und an der Unterseite gerundet, leicht schräg gestellt und weit auseinander stehend.Die Augenfarbe soll einheitlich und entsprechend der Fellfarbe sein. Alle Schattierungen von gelb/gold bis grün sind erlaubt. Bei Bicolour und anderen Mustern mit weißer Fellfarbe auch blau oder odd eyed. Bei Point-Zeichnung blau, je dunkler, desto besser. |
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Fell |
Das Fell ist mittellang. Die sehr dichte Unterwolle ist weich und fein, unter gröberem festem Deckhaar. Das dichte, locker fallende Deckhaar ist wasserabstoßend, von fester, griffiger Struktur und glänzend. Es bedeckt den Rücken, die Flanken und Schwanzoberseite vollständig. Die Körperunterseite und die Rückseite der Hinterbeine besitzen nur Unterwolle. Am Hals, auf der Brust, an den Hosen und am Schwanz ist das Fell besonders lang. |
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Farbvarianten |
Die Farben Chocolate und Cinnamon, sowie deren Verdünnung (Lilac und Fawn) sind in allen Kombinationen (Bicolour, Tricolour, Tabby) nicht anerkannt. Burma-Abzeichen und Tonkanesen-Abzeichen sind ebenfalls nicht anerkannt.Alle anderen Farben und Muster sind anerkannt. Jeder Weißanteil ist erlaubt. Die Beschreibung ist der allgemeinen Farbliste zu entnehmen. Die Pointvariante mit Siam-Abzeichen heißt Neva Masquerade. |
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Punkteskala |
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Anmerkung |
Die Generalversammlung der WCF hat in ihrer Sitzung am 3. August 2002 in Mailand beschlossen, bei allen Naturrassen wie Maine Coon, Norweger, Türken und Sibirer die Einkreuzung fremder Rassen von einer Genehmigung der Richterkommission abhängig zu machen. |
Sibirische Katze: Charakter & Verhalten
Die Sibirische Katze beeindruckt nicht nur mit ihrem majestätischen Aussehen, sondern auch mit ihrem ausgeglichenen und menschenbezogenen Wesen. Als typische Vertreterin einer Naturrasse bringt sie ein natürliches Sozialverhalten mit, das sie zu einem angenehmen Familienmitglied macht.
Intelligent, verspielt und loyal
Sibirische Katzen gelten als besonders intelligent und neugierig. Sie sind sehr verspielt – auch noch im Erwachsenenalter – und lassen sich mit Intelligenzspielzeug, Clickertraining oder interaktiven Spielzeugen gut fördern. Gleichzeitig zeigt sich die Sibirische Katze als überaus loyal: Hat sie eine Bezugsperson oder Familie ins Herz geschlossen, bleibt sie ihr treu ergeben.
Sozial und freundlich
Im Umgang mit Menschen und anderen Tieren zeigt sich die Sibirische Katze ausgesprochen sozial. Sie versteht sich in der Regel gut mit Artgenossen, anderen Haustieren und Kindern. Ihre Kommunikation ist sanft – statt lautem Miauen nutzt sie oft leises Schnurren oder Trillern, um ihre Bedürfnisse auszudrücken.
Bewegungsfreudig und aktiv
Trotz ihres ruhigen Charakters liebt die Sibirische Katze Bewegung. Sie klettert gerne, springt mit Leichtigkeit auf höhere Ebenen und genießt abwechslungsreiche Beschäftigungsmöglichkeiten. Ein gesicherter Balkon oder Freigang im Garten wird besonders geschätzt.
Anhänglich, aber nicht aufdringlich
Sibirische Katzen bauen eine starke Bindung zu ihren Menschen auf, ohne dabei übermäßig fordernd zu sein. Sie sind gerne in der Nähe ihrer Familie, suchen oft die Nähe auf der Couch oder im Bett – respektieren aber auch Freiräume.
Haltung einer Sibirischen Katze in Deutschland
Die Sibirische Katze ist nicht nur für ihr majestätisches Fell bekannt, sondern auch für ihren freundlichen Charakter und ihre Anpassungsfähigkeit. Doch was gilt es bei der Haltung in Deutschland zu beachten?
Wohnung oder Freigang?
Die gute Nachricht zuerst:
Sibirische Katzen können sowohl in der Wohnung als auch mit Freigang gehalten werden. Entscheidend ist, dass sie ausreichend Bewegung, Abwechslung und Kontakt zu ihren Menschen haben.
Wohnungshaltung:
- Ideal für städtische Umgebungen
- Erfordert viele Kletter- und Spielmöglichkeiten
- Balkon idealerweise katzensicher vernetzt
- Kratzbäume, Verstecke und Ausblickspunkte ein Muss
Freigang:
- Gesicherter Garten oder Freigehege besonders gut geeignet
- Freigang in ruhiger Lage möglich, nach Gewöhnung
- Chippen und Registrieren (z. B. bei Tasso) empfohlen
Einzelkatze oder lieber Gesellschaft?
Die Sibirische Katze ist gesellig und braucht sozialen Kontakt. Allein zu Hause, während du arbeitest? Keine gute Idee.
Empfehlung:
- Haltung zu zweit (idealerweise mit einer anderen sozialen Katze)
- Auch verträgliche Hunde können gute Partner sein
- Frühzeitige Sozialisierung erleichtert das Zusammenleben
Platzbedarf und Einrichtung
Die Sibirische Katze ist aktiv, intelligent und neugierig. Sie braucht:
- Viel Raum zum Spielen und Springen
- Kletterwände oder Decken-Kratzbäume
- Rückzugsorte, z. B. Katzenhöhlen
- Intelligenzspielzeug und Beschäftigung
- Fensterplätze mit Aussicht (Vogelfernsehen!)
Pflegeaufwand in der Haltung
- Trotz ihres dichten Fells ist die Pflege überschaubar:
- 2–3 Mal pro Woche bürsten (im Fellwechsel öfter)
- Krallenpflege und regelmäßige Zahnkontrolle
- Fellpflege wird oft als angenehm empfunden und stärkt die Bindung
Rechtliches in Deutschland
Da die Sibirische Katze eine anerkannte Hauskatze ist, unterliegt sie keiner Genehmigungspflicht. Aber Vorsicht:
Manche Züchtungen mit Wildkatzen-Anteilen (z. B. bei Hybriden mit Serval oder Karakal) unterliegen der Genehmigungspflicht nach dem Artenschutzgesetz
Sibirische Katze – Gesundheit & Lebenserwartung
Grundsätzlich gilt die Sibirische Katze als eher unanfällig für viele der typischen Erbkrankheiten, die bei anderen Rassekatzen verbreitet sind. Dennoch gibt es einige gesundheitliche Aspekte, die Halter im Blick behalten sollten:
Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM): Eine genetisch bedingte Herzmuskelerkrankung, die bei manchen Linien auftreten kann. Seriöse Züchter lassen ihre Tiere regelmäßig auf HCM untersuchen.
Polyzystische Nierenerkrankung (PKD): Kommt selten, aber vereinzelt auch bei Sibirischen Katzen vor. Vorsorgeuntersuchungen beim Züchter sind empfehlenswert.
Zahngesundheit: Wie bei vielen Katzenrassen neigen auch Sibirier zu Zahnstein und Zahnfleischentzündungen, weshalb regelmäßige Kontrollen wichtig sind.
Lebenserwartung
Bei guter Pflege, ausgewogener Ernährung und regelmäßiger tierärztlicher Betreuung kann eine Sibirische Katze ein Alter von 12 bis 16 Jahren, manchmal sogar älter, erreichen. Ihre Lebenserwartung hängt dabei stark von Haltung, genetischer Disposition und allgemeiner Lebensqualität ab.
Gesundheitsvorsorge
Wer eine Sibirische Katze hält, sollte auf folgende Aspekte achten:
- Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Tierarzt (inkl. Impfungen und Parasitenkontrolle)
- Hochwertige Ernährung zur Unterstützung des Immunsystems und der Organgesundheit
- Genetische Testungen beim Züchter, um erbliche Erkrankungen möglichst auszuschließen
- Ausreichend Bewegung und geistige Beschäftigung, um Übergewicht und Stress vorzubeugen
Für wen ist die Sibirische Katze geeignet?
1. Familien mit Kindern
Sibirische Katzen sind freundlich, verspielt und sehr geduldig – auch im Umgang mit Kindern. Sie lassen sich gerne streicheln, spielen aktiv mit und ziehen sich selten beleidigt zurück.
2. Mehrkatzenhaushalte oder Katzenfreunde
Sie gelten als sehr sozial gegenüber Artgenossen. Wer bereits eine Katze hat oder gleich zwei anschaffen möchte, trifft mit der Sibirischen Katze eine gute Entscheidung.
3. Menschen mit leichter Katzenallergie
Da Sibirische Katzen weniger des allergieauslösenden Proteins Fel d 1 produzieren, werden sie oft als „allergikerfreundlich“ bezeichnet. Eine Garantie gibt es zwar nicht, aber viele Allergiker berichten von positiven Erfahrungen.
4. Berufstätige mit genügend Zeit am Abend
Sibirische Katzen sind unabhängig, aber keine Einzelgänger. Sie können tagsüber gut allein sein – vorausgesetzt, sie bekommen am Abend ausreichend Zuwendung und Beschäftigung.
5. Katzenhalter mit Balkon oder Garten
Diese Rasse liebt die Natur! Wer einen gesicherten Balkon oder gar einen katzensicheren Garten bietet, wird ihrer Abenteuerlust gerecht.
Fazit
Die Haltung einer Sibirischen Katze in Deutschland ist problemlos möglich – sofern du ihre natürlichen Bedürfnisse beachtest. Mit ausreichend Platz, Beschäftigung und Zuwendung wird sie schnell zu einem liebevollen Familienmitglied, das dich viele Jahre begleiten kann.

